Demenz: Als Luba zur "Weltfrau" wurde

 

Stormarner Tageblatt

 

Die Reinfelder Künstlerin Megi Balzer arbeitet an einer der 15 Radierungen für ihr Buch "Luba". Foto: OlbertzReinfeld |

 

Weltfrau! Das ist doch mal ein Titel. Vermutlich war Luba Gogoladze die erste und bislang einzige Weltfrau - die Titelverleihung kam vielleicht etwas überraschend, aber durchaus nicht unverdient. Fand jedenfalls Großtante Luba damals. "Von einem Tag auf den anderen erzählte sie uns: "Ich bin zur Weltfrau gewählt worden", erinnert ihre Großnichte Megi Balzer jenen denkwürdigen Tag, der das Leben der Familie in den nächsten Jahren bestimmen sollte - Luba wurde dement.

Die Reinfelder Künstlerin Megi Balzer hat in jahrelanger Arbeit ihre Erinnerungen und Erlebnisse aufbereitet. Zwei Jahre lang hat sie in Süddeutschland in einem Heim für Demenzerkrankte gearbeitet, um mehr über die Krankheit zu erfahren. "Das war sehr spannend für mich", erzählt die 1975 in Georgien geborene, diplomierte Kunstmalerin.

 

Als es Anfang der 1990er Jahre zum Krieg zwischen Russland und Georgien kam, setzte bei Luba Gogoladze die Demenz ein. "Man sah vorher schon, dass etwas nicht stimmt", erinnert sich Megi Balzer, aber ab dann wurde es deutlich schlechter. Megis Vater musste aus politischen Gründen untertauchen, die Mutter arbeitete, sie und ihre Schwester studierten, dazu noch der Krieg - trotzdem kam es für die Familie nicht in Frage, die Großtante in ein Heim abzuschieben. Sie wurde in der Großfamilie gepflegt. Megi Balzer: "Sechs Jahre war sie die Weltfrau und wir ihre Bediensteten." Luba lebte in ihrer eigenen Welt. So eine Weltfrau muss natürlich standesgemäß gekleidet sein - die Familie kam dem Wunsch nach. Gratulationsschreiben aus aller Welt gehören selbstverständlich dazu - kamen aber nicht, warum auch. Also wurden sie von den Angehörigen selbst verfasst. Eine Freundin wurde als Reporterin vorgestellt, die mit der Weltfrau ein Fernsehinterview führte. "Luba blühte regelrecht auf. Ihre Herz-, Leber- und Nierenprobleme waren plötzlich weg", berichtet die Reinfelderin.

 

Schon während der Erkrankung und ihres zeitgleichen Studiums machte Megi Balzer viele Skizzen der Großtante, und Luba wurde zum Thema einiger Semesterarbeiten. "Die Professoren fragten schon immer, was es Neues von Luba gibt", erzählt die Künstlerin: "Sowas wirst du nicht wieder los."

 

Megi Balzer hat eine wichtige Erkenntnis aus Lubas Erkrankung gewonnen: "Man mus diese Leute akzeptieren wie sie sind und nicht versuchen, ihre Welt zu ändern."

 

Ihre Großnichte hat Luba nicht mehr erkannt. Stattdessen nannte sie sie Georgi Gabriellowitsch. Megi Balzer: "Keine Ahnung, wer das ist. Nachfragen brachten nichts, dann sagte sie nur: Können Sie sich nicht erinnern, wer sie sind?" Also nahm sie diese Rolle an. Wegen des Kriegs war die Versorgung mit Lebensmitteln schlecht. Nur Bohnen, die in Georgien wild wachsen, gab es reichlich. Hülsenfrüchte hingen der Weltfrau natürlich bald zu den Ohren raus. "Da hat Mama angefangen, sie zu belügen und ihr erzählt, das seien keine Bohnen, sondern Hühnerfrikassee", blickt Megi Balzer zurück.

 

Aus diesem und vielen anderen Erlebnissen hat sie ein Buch verfasst - 15 launige Kurzgeschichten über Großtante Luba. Jedes Kapitel mit einer Radierung illustriert. "Drei Jahre habe ich gebraucht, um die Druckplatten hinzubekommen", schildert sie den Entstehungsprozess. Gedruckt wurden die Bilder in einem Mix aus Tief- und Hochdruck auf Bütten, jedes ein Unikat. Das Ganze wurde dann in Leipzig per Hand gebunden. Der Einband wurde aus der letzten Rolle weißen sowjetischen Leinens hergestellt. Megi Balzer ist überzeugt: "Das hätte Luba gefallen. Sie war überzeugte Kommunistin."

 

23 im wahrsten Sinne des Wortes "kunstvolle" Exemplare sind so entstanden. "Finanziell war das ein Irrsinnsaufwand", gesteht sie: "Da ist alles Geld reingeflossen, das ich in den vergangenen Jahren verdient habe." 600 Euro muss so ein Buch-Unikat deshalb kosten. Alternativ ist auch eine Paperback-Variante ohne Originale für 25 Euro direkt bei der Künstlerin im Reinfelder Atelier, Kieler Straße 6a, (04533) 8129, erhältlich.

 

 

von Andreas Olbertz
erstellt am 20.Okt.2012 | 08:26 Uhr

 

 

Veranstalter für unten beschriebenes Projekt gesucht

Jeder hat in der Gesellschaft seinen Platz und seine Funktion, ob jung oder alt. Er wirkt und reagiert auf die Gesellschaft und die Gesellschaft wirkt und reagiert auf ihn. Beide Seiten müssen einander akzeptieren und respektvoll miteinander umgehen.

                                                

                                                  

                                      Projektvorschlag

 

In meinem Konzept habe ich klassische Arbeitstechniken wie Radierung mit modernen elektronischen Medien bewusst kombiniert, um das Zusammenwirken von Klassischem und Neuem, Alt und Jung zu verdeutlichen.

Im Zentrum des Projektes stehen fünfzehn Kurzgeschichten, die auf wahren Begebenheiten basieren, mit begleitenden Illustrationen (Radierungen). Die Geschichten beschreiben im Wesentlichen den mit einer Demenzerkrankung verbundenen Alterungsprozess meiner Großtante und den Umgang meiner Familie und der Gesellschaft mit diesem Phänomen.

 

 

Punkt 1 des Projektes (s. Anlage 1 - Kapitel 5„Die Auserwählte“ des Buches “Luba“)

Dieses Kapitel verdeutlicht gut den Kern des Inhalts und der Aussage des Buches.

Alle 15 Kapitel des Buches sollen als offene Seiten zusammen mit den Illustrationen großformatig präsentiert werden.

 

Download
LUBA_Die Auserwählte.pdf
Adobe Acrobat Dokument 4.7 MB

 

Punkt 2 des Projektes

Memory Karten mit Motiven, die einen Bezug zum Inhalt des Buches haben, als Symbol der Erinnerung und als Beispiel für ein Spiel, das Jung und Alt (z.B. Enkel und Großeltern) gerne und häufig zusammen spielen, sollen in normaler Kartengröße (Originalradierungen) ausgestellt und zusätzlich in vergrößerter Form (Digitaldruck), angeordnet als Schachbrett auf dem Boden ausgelegt werden. Die Besucher können durch aktives Spiel in das Geschehen einbezogen werden.

Punkt 3 des Projektes:

Es soll eine Wandcollage erstellt werden, in der alte klassische Originalgegenstände und Kleidungsstücke (zum Teil aus dem Besitz der Hauptperson des Buches) mit modernen Gegenständen so komponiert werden, dass sie zu einer Einheit verschmelzen.

 

 

Punkt 4 des Projektes:

In einem abgeteilten Bereich der Ausstellungsfläche sollen die originalen Buchseiten (Radierungen/Text) sowie verwendete Druckplatten in Schaukästen präsentiert werden.

 

 

 

 

Punkt 5 des Projektes:

Urkunden und Briefe aus dem Besitz des Protagonisten sollen in vergrößerter Form wie Druckfahnen von der Decke gehängt werden. Die in Deutschland eher unbekannten georgischen Schriftzeichen sollen das Interesse für eine andere Kultur und die Geschichte eines Lebens in dieser Kultur wecken. Die deutschen Übersetzungen sollen sich dann jeweils auf den Rückseiten der Blätter befinden.